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Gewerkschaft fordert Investitionen und Qualifizierung, um Beschäftigung zu sichern

IG Metall Aschaffenburg will Zukunftsvereinbarungen mit Unternehmen

18.12.2019 I Die IG Metall Aschaffenburg ruft die Unternehmen in der Region auf, mit Investitionen in Zukunftsprodukte vor Ort Beschäftigung zu sichern. „Die Unternehmen stehen in der Verantwortung, die Beschäftigung hier bei uns weiterzuentwickeln und nicht ins Ausland zu verlagern oder Stellen zu streichen. Dazu wollen wir auf tariflicher und betrieblicher Ebene Zukunftsvereinbarungen abschließen“, sagte Percy Scheidler, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Aschaffenburg, am heutigen Montag bei einer Pressekonferenz in Aschaffenburg.

Die IG Metall registriert, dass derzeit viele Unternehmen den technologischen und ökologischen Wandel als Vorwand nutzen, um Kosteneinsparungen und Verlagerungen in Billiglohnländer zu legitimieren. Im Raum Aschaffenburg betrifft das unter anderem die Betriebe von Joyson, SAF und WIKA, aber auch KUKA und Linde.

Özcan Pancarci, Betriebsratsvorsitzender von Linde-Material-Handling sagt: „Wir befinden uns mitten im Veränderungsprozess bei Linde MH in Aschaffenburg. Prozesse werden automati¬siert und digitalisiert, neue Technologien führen zu Rationalisierung. Gleichzeitig entstehen Arbeitsplätze mit neuen An¬forderungen im direkten wie im indirekten Bereich. Wir befinden uns mitten im Wandel. Qualifizierung von inter¬nem Personal muss für uns die höchste Priorität haben. Der Erfolg wird von der Beteiligung der Belegschaft im Transformationsprozess abhängen. Eine von der KION-Zentrale lohnkostengetriebene Verlagerungsdebatte werden wir in allen deutschen Standorten entschieden angehen.“

Elmar Englert, stellvertretender Betriebsratsvorsitzender bei Joyson: „Bis zum Sommer 2020 soll das Aschaffenburger Werk in Nilkheim geräumt werden. Das Werk selbst ist schon verkauft. Die Produktion wird größtenteils nach Ungarn verlagert. Subventionen der Regierung Ungarns machen dies anscheinend attraktiv. Es herrscht große Unsicherheit und Unzufriedenheit in der Belegschaft. Viele wissen nicht, wie es für sie weitergeht, ob sie einen Job im Stammwerk in Schweinheim bekommen werden, oder ob sie gekündigt werden. Uns, der Interessenvertretung im Betrieb, ist jeder Arbeitsplatz wichtig, vor allem hier in Aschaffenburg. Wir wollen Sicherheit in der Zukunft und das auch mit sicheren Tarifverträgen und Arbeit.“

Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Johann Horn, unterstreicht bei der Pressekonferenz: „Gewerkschaften und Betriebsräte sind diejenigen, die eine nachhaltige Sicherung von Beschäftigung und Standorten vor Ort im Blick haben. Das ist aber nicht unbedingt das Ziel der Unternehmen. Sie wollen zuallererst Geld verdienen. Und wenn sie der Ansicht sind, das können sie mit Werken außerhalb Bayerns und Deutschlands besser tun, dann streben sie das an. Dabei vergessen die Unternehmen ihre gesellschaftliche Verantwortung.“

Im jetzt beginnenden technologischen und ökologischen Wandel sei es wichtiger denn je, mit Investitionen in Zukunftsprodukte die Standorte langfristig aufzustellen. Scheidler dazu: „Wir wollen, dass die Unternehmen gemeinsam mit der IG Metall und den Betriebsräten Zukunftsperspektiven entwickeln und die Beschäftigten dafür qualifizieren.“

Die IG Metall fordert die Politik auf, die Beschäftigungssicherung im Wandel mit geeigneten Instrumenten wie einem Transformations-Kurzarbeitergeld zu unterstützen. Horn: „Damit könnten wir in Unternehmen, die durch den Wandel in Schieflage geraten, die Beschäftigten qualifizieren, finanziell absichern und gleichzeitig im Unternehmen halten.“

Scheidler ruft die Unternehmen zur Zusammenarbeit auf und fasst die Stimmung in den Betrieben zusammen: „Die Beschäftigten sind verunsichert und verärgert. Ich kann nicht ausschließen, dass die Beschäftigten ihren Protest bald auch lautstark in die Öffentlichkeit tragen werden.“